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Tut mir leid, daß...
Tut mir leid, daß ich mich erst heute melde....
Frances - 17. Feb, 19:21
!!ROTFL!!
Krasse Zusammengestellung! ;-)
imho - 18. Dez, 11:19

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Zuletzt aktualisiert: 5. Aug, 20:30

Mittwoch, 16. Juli 2008

K. begibt sich auf die Suche

Nachdem K. die ersten Eindrücke und Erfahrungen von und mit den Menschen, ihre Mißachtung der Erde und deren geistig-physischer Natur wie auch ihre Grausamkeit gegenüber den Mitgeschöpfen einigermaßen verkraftet hatte, mischte er sich wieder unter sie, um jene zu suchen, die der Weise als "Söhne des lebendigen Vaters" (ThEv) bezeichnet hatte.

Aber schon nach wenigen Erdentagen intensiver Beobachtung verließ K. erneut die irdischen Sphären und begab sich zu dem Weisen, an den er drei Fragen hatte:

"Wer ist dieser 'Gott', von dem die sogenannten Zivilisierten so viel reden und der sich selbst eine 'Chimäre' nennt?" - "Wieso wollen sie dich, den Weisen, als 'Sohn' jenes 'Gottes' kennen, der doch offenbar lediglich ein Konstrukt menschlichen Denkens ist, geboren aus der Sehnsucht nach Orientierung und Autorität?" Und: "Wo und wie finde ich jene, die du als 'Söhne des lebendigen Vaters' bezeichnet hast?"

Dienstag, 15. Juli 2008

K. und die fünf Sinne

Sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen - der Körper als Vehikel des Geistes, den es zu durchdringen galt. Für K. ein faszinierendes Geschenk, fremd zunächst und dann doch mehr und mehr vertraut.

Während er noch schwelgte im Genuss der Sinne, den Duft des Meeres atmete, das Spiel der Wellen mit Blicken verfolgte, dem Gesang des Windes lauschte, die salzige Luft auf seinen Lippen schmeckte und den rauhen Sand unter seinen Füßen spürte, kam eine tiefe Ruhe über ihn.

Dann wurde er des Phänomens gewahr: nicht Mensch, nicht Tier, nicht Pflanze, eher wohl ein Abbild von allem, irgendwie technisch, jedoch ohne Konsistenz.

K. verließ den Menschenkörper, um Verbindung aufzunehmen. "Wer bist du?" fragte er. Die Antwort war: "Ich bin eine Chimäre. Sie nennen mich 'Gott'."

Als Wind und Wellen weinten mit K.

K. stand am Ufer und schaute aufs Meer hinaus. Er weinte mit dem Wind und mit den Wellen über all das Leid, das über Erde und Himmel kam, als der Mensch die Welt betrat; denn allein dieses Wesen ist fähig zur Qual und sinnlosen Zerstörung.

K. und die Worte des Weisen

K. traf einen Weisen aus der anderen Welt. Und er fragte ihn nach jenen, die sich 'Menschen' nennen. Der Weise sprach:
"Ich stand in der Mitte der Welt und erschien ihnen im Fleisch. Ich fand sie alle trunken, ich fand keinen unter ihnen durstig.
Und meine Seele war betrubt uber die Söhne der Menschen, da sie blind in ihrem Herzen sind und nicht sehen; denn leer sind sie in die Welt gekommen und leer suchen sie, die Welt zu verlassen. Nun aber sind sie trunken.
Wenn sie ihren Wein abschutteln, werden sie bereuen." (ThEv, 28)

'Ja', dachte K., 'durstig sind die wenigsten, durstig nach Weisheit und vollkommenem Erkennen. Dafür sind sie hungrig. Und sie fressen wie die Scheunendrescher, fressen ihre eigenen Mitgeschöpfe, die sie zuvor erniedrigen zu Wesen zweiter Klasse; sie quälen und mißbrauchen sie, benutzen sie und foltern sie, bis sie sie grausam töten, zerstückeln und ihre Leichen fressen.'

'Der Mensch ist eine furchtbare Plage', stellte K. mit Abscheu fest, ' man sollte ihn nicht als 'Tier' bezeichnen; denn das ist er nicht wert.'

K.

De mortuis nil nisi bene - Über die Toten nichts, es sei denn Gutes

K. war verwirrt. 'Der Mensch ist ein wahrhaft seltsames Tier', dachte er bei sich, 'erst recht der öffentliche Mensch.' Bei Leibesleben wird getratscht, beleidigt und verleumdet, was das Zeug hält, an den Gräbern wird geheuchelt und geheult, was Mund und Augen hergeben, und im Nachruf wird mindestens ebenso grenzenlos gelogen, wie in der Kirche und der Politik. Ja, der Mensch ist ein wahrhaft seltsames Tier,' dachte K. - und behielt es für sich.

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...der Menschheit unter die Wirtschaft hat ihr nur die Freiheit zur Feindschaft gelassen.
Und schärfte ihr der Fortschritt die Waffen, so schuf er ihr die mörderischeste vor allen, eine, die ihr jenseits ihrer heiligen Notwendigkeit noch die letzte Sorge um ihr irdisches Seelenheil benahm: die Presse.


Karl Kraus; Lyriker, Schriftsteller, Satiriker, Journalist, Medienkritiker

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